Samstag, 25. Juli 2009

Im Lande des Dschinghis Khan

In Irkutsk bestiegen wir den Zug für den zweiten Teil der Transsib-Strecke nach Ulan Bator in der Mongolei („nur“ 32 Stunden). Diesmal erwischten wir einen reinen Touristen Zug und genossen es, mit anderen Travellers über Erlebnisse und geschmiedete Pläne zu plaudern.

Nach langen 9 Stunden warten an der russich-mongolischen Grenze wurden wir mit einem freundlichen Lächeln im Land des grossen Dschinghis Khans begrüsst. Uns war sofort klar, dass sich dieses Land in jeder Hinsicht von Russland unterscheidet – sowohl kulturell wie auch landschaftlich.

Die Tage in der Mongolei verbrachten wir in einem Jurten-Camp, umgeben von traumhafter Landschaft (siehe Fotos), abgelegen und ohne Strom. Wir genossen die Ruhe und die Gastfreundschaft der Einheimischen, unternahmen Wanderungen und wagten uns sogar hoch zu Ross. Das war das absolute Highlight, es war so perfekt, fast schon kitschig. Wir konnten auch am nächsten Tag noch von diesem Erlebnis zehren, dank schmerzendem Hintern ;-)

Auch kulinarisch wurden wir verwöhnt, wir probierten die landestypischen Speisen (frisch geschlachtetes Schaf, wir konnten dem armen Kerl vorher noch tief in die Augen schauen) und auch ein kräftiges Schlückchen Airag – gegorene Stutenmilch – durfte nicht fehlen. @ Hans: ist gar nicht mal so schlimm.

Leider mussten wir nach 3 Tagen dieses faszinierende Land bereits wieder verlassen, mit einem weinenden Auge bestiegen wir den Zug nach Peking. Wir können uns sehr gut vorstellen, nochmals für eine längere Zeit in die Mongolei zurück zu kehren.


Samstag, 18. Juli 2009

Schwitzen in Sibirien

Unseren ersten Zwischenstopp auf der Strecke der Transsib haben wir in Irkutsk, der Hauptstadt Ostsibiriens, eingelegt.

Eins können wir euch sagen: Auch in Sibirien gibt es einen Sommer und der kann ziemlich heiss werden – 30 Grad und mehr! Gut für uns.

Im beschaulichen Irkutsk gibt es viele kleine, hübsche, schiefe Holzhäuschen sibirischer Architektur. Nice to see! Hauptattraktion ist jedoch ganz klar der Baikalsee. Der grösste Süsswassersee der Welt zieht mit seiner Flora und Fauna und den Bergen die ihn umgeben viele Touristen an.

Untergebracht sind wir in einer privaten Unterkunft. Und wie es der Zufall so will, auch unsere „Reisegspändlis“ welche wir in Moskau zufälligerweise getroffen haben, sind in derselben Familie untergebracht. Ein weiteres berkanntes Gesicht haben wir in hier getroffen, dies allerdings geplant: Carla (ehemalige HSW-Schulkollegin von Carmen) verbringt 3 Monate hier und lernt russisch. Während unserem Aufenthalt konnten wir von ihren Russisch- und Ortskenntnissen profitieren. Spasiba Carla!

Heute Abend nehmen wir die nächste Zugfahrt in Angriff und wir sagen Russland „da-svidanya“ – Dschingis Khan wir kommen!

Freitag, 17. Juli 2009

Zuggeschichten

5'191 Kilometer, 77 Stunden, 5 Zeitzonen, 4 Nächte, 3,6 Quadratmeter, 3 Personen im Abteil und 1 atemberaubende Landschaft.

Eine Reise mit der Transsib ist ein wahres Abenteuer. Mit der Überquerung des Urals haben wir Europa Richtung Asien hinter uns gelassen – vorbei an scheinbar endlosen Feldern, Wiesen und Wälder der sibirischen Taiga.

Unser kleines Abteil teilten wir mit der russischen „Mamma“ Antonina. Entgegen aller Russen, welche wir bisher getroffen haben, war sie überaus redselig (sprach ein bisschen deutsch). Singen, saufen, singen, saufen, schlafen … das war der Rhythmus der Studenten im Nachbars-Abteil. Wir konnten es kaum vermeiden: Nach kurzer Zeit schon landeten wir in ihrem Abteil, und der Wodka floss.

Bei den zahlreichen Zwischenstopps konnten wir bei den Babuschkas (russische Omas) alles kaufen was das russische Land hergibt: Von geräuchertem Fisch (yammie) bis hin zu köstlichen Teigtaschen, Früchten und gekühlten Getränken.

Bei einer solchen Reise ist Improvisation gefragt. Die Haare werden mit Trockenshampoo „gewaschen“ (@Anja: es funktioniert), Katzenwäsche ersetzt das tägliche Duschen und die bequemen Kleider werden am besten gleich anbehalten. Mit schlafen, lesen, Musik hören, spielen, schwatzen und die wunderschöne Landschaft betrachten verging die Zeit „wie im Zuge“. In diesen 77 Stunden erlebten wir authentisches Russland, smuf!

Sonntag, 12. Juli 2009

„Follow the Moskwa, down to Gorki Park“

Okay unser erste Fahrt in einem russischen Nachtzug haben wir hinter uns gebracht, und hey, wir sind voll begeistert! Es hat alles wie am Schnürchen geklappt und unser 4er-Zugabteil war super bequem & chillig. Sogar der Kaffee wurde am Morgen ans Bett serviert.

Umso hektischer verlief dann unsere Ankunft am Moskauer Bahnhof:
1.: Strömender Regen
2.: Morgendliche Rush-Hour in der Metro (damit ihr euch ein Bild machen könnt: Mit 9 Mio Passagieren täglich befördert die Metro in Moskau mehr Menschen als die Untergrundbahnen von New York und London zusammen)
und 3.: Versucht mal mit je 25 Kilo Gepäck, keinen Russisch-Kenntnissen und dichtem Gedränge die richtige Metro und dann auch die richtige Ausstiegs-Station zu finden. Eine wahre Herausforderung.

Moskau ist gigantisch: 10 spurige Einbahnstrassen, sowjetische Blockbauten und riesige Denkmäler, überall Sowjet-Kitsch Souvenir Stände und wunderschöne Kathedralen. Die „top sights“ von Moskau haben wir selbstverständlich alle besichtigt (siehe Fotos). Der der rote Platz die Basilius Kathedrale waren das absolute Hightlight. Russland pur!

Und, man glaubt es kaum: Wir haben tatsächlich bereits die ersten Bekannten getroffen, mitten in Moskau. Ganz überraschend sind wir Carmens ehemaliger „Oberstiftin“ und deren Mann begegnet. Sie weilen im selben Hostel & haben dieselbe Transibtour vor wie wir – man wird sich also öfters noch sehen!

Heute Abend werden wir die Transsibirische Eisenbahn besteigen. Wir sind jetzt schon gespannt auf die zwei Gspändlis in unserem kleinen, feinen 4er Abteil. Und noch mehr auf die Landschaft, welche in diesen 72 Stunden bis Irkutsk an uns vorbeiziehen wird.

Möcheds guet & bis dann dann …


Mittwoch, 8. Juli 2009

Sonne über St. Petersburg

Nach zwei langen Stunden Warten am Flughafen und etlichen Telefonaten, holten uns Vladimir & Elena, unsere russischen „Agenten“ (nicht KGB-, sondern Reiseagenten), am Flughafen von St. Petersburg ab und chauffierten uns im zick-zack-Stil durch die 5-spurigen Strassen in unsere Unterkunft – „wo bitte ist hier ein Hotel???“ war unser erster Gedanke als wir in einem düsteren Hinterhof landeten. Der Schein trügte: Innen war es „hui“ (nicht pfui).

Leningrad – Petrograd – St. Petersburg: Die Millionen-Metropole an der Neva hat uns vom ersten Augenblick in ihren Bann gezogen. Sei es durch die breit angelegten, scheinbar unendlichen Strassen, die sowjetischen Denkmäler oder die monumentalen Paläste und Kirchen. Es ist eine wunderschöne Stadt und absolut eine Reise wert!

Russia rocks … Wir finden es extrem cool hier und fühlen uns trotz Sprach- und Leseschwierigkeiten (ist wirklich alles kyrillisch beschriftet … wie wird das dann erst in China?) sau gut!

Über die „Petersbörger“ können wir sagen, dass unsere Klischees bestätigt wurden: Viel Alkohol, viel nackte Haut, viele strenge Gesichter und viel Sonne während den „weissen Nächten“.

Mit unserem Besuch in St. Petersburg haben wir erst an der Oberfläche dieses riesigen Landes gekratzt und nun freuen wir uns, den Rest zu bereisen. Heute Abend geht's weiter, mit dem Nachtzug nach Moskau.