Samstag, 24. Juli 2010

Wild Wild West

In den letzten 10 Tagen sahen wir öfters Rot ;-) Rote Erde, rote Monolithen und Felsbögen, glutrote Sonne … und rot waren ab und zu auch unsere Köpfe; denn auch hier spricht man von einem Rekordsommer und das Thermometer klettert täglich locker über die 40 Grad Grenze. Da heisst es viel trinken, immer schön dem Schatten nach und ab und zu in einen erfrischenden Pool springen.

Im wüstenartigen Südwesten Utah’s haben wir mehrere Nationalparks besucht, einer spektakulärer als der andere. Wir sind durch die bizarren Felsformationen und Schluchten des Zion Nationalparks, Bryce Canyons und Antelope Canyons gewandert und haben das Farbspiel der Natur bewundert. Zwischendurch machten wir beim Lake Powell Halt. Danach machten wir uns mit unserem „vierrädrigen Gaul“ auf den Weg ins Land der Navajo Indianer zum Monument Valley. Dieser Anblick war gigantisch. Es fehlte nur noch, dass ein Marlboro-Man-Cowboy hinter den weltbekannten roten Tafelbergen hervorgeritten kam.

Unser nächster Nationalpark-Stopp versetzte uns um 1000 Jahre zurück. Im Mesa Verde NP besichtigten wir die alten Steinruinen der Pueblo Indianer. Unglaublich wie diese Dörfer in die Felsen hinein gebaut wurden. Um das Cowboy-Indianer-Gleichgewicht wieder herzustellen, waren jetzt die Cowboys wieder an der Reihe. Deshalb verschlug es uns in die beiden Städtchen Durango und Silverton in Colorado. Dort kam nochmals ein richtiges Wild-West-Feeling auf: Historische Häuser, geschichtsträchtige Saloons und wunderschöne Ranchs rundherum. Eine spektakuläre Passfahrt (zwischendurch waren wir sogar auf 3400 m.ü.M.) führte dann sogar an „Little Switzerland“ vorbei und wir durchquerten viele verlassene, alte Silberminen-Städtchen.

Krönender Abschluss unserer Wild-West-Reise war dann der riesige Arches Nationalpark. Dieser wundervolle Park mit seinen unzähligen Sandsteinbögen war unser persönlicher Favorit. Nun verbringen wir noch ein paar Tage in und rund um die Mormonen-Stadt Salt Lake City, bevor wir dann gegen Westen nach California weiterziehen.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Reise nach Jerusa ... ääh: Yellowstone

Eine Busfahrt die ist lustig, eine Busfahrt die ist schön … das zumindest dachten wir uns, als wir in Seattle unsere 20-stündige Reise in die Wüste nach Salt Lake City antraten. Gut, die ersten 6 Stunden waren noch völlig okay. Als wir dann aber im „Nirgendwo von Idaho“ den Bus wechseln mussten, nahm das Theaterstück seinen Lauf. Zur Auswahl für die Weiterfahrt standen zwei völlig herunter gekämpfte Busse, einer schlimmer als der andere. Dazu kam noch, dass sie bereits bis fast auf den letzten Platz gefüllt waren. So glich das Besteigen des Busses eher einer „Reise nach Jerusalem“. Als dann doch noch alle ein Plätzli gefunden hatten und beide Busse bis zum Bersten gefüllt waren, konnte die fröhliche Fahrt endlich weitergehen. Hm … hoffentlich geht das nur gut, und die Bremsen halten, dachten wir uns. Und tatsächlich … nach nur einer Stunde gab Bus Nr. 1 (zum Glück nicht unserer, yeah) seinen Geist auf und die Passagiere strandeten in der Einöde. Wer weiss, vielleicht stehen sie ja immer noch da? Unsere Fahrt zumindest wurde fortgesetzt. Die restlichen 13 Stunden nun im Schnelldurchlauf: Der überforderte Chauffeur musste sämtliche Leute an den Stationen abwimmeln, der ganze Bus wurde mitten in der Nacht von der Polizei kontrolliert, und nachdem der Fahrer mitteilte, dass er die Klimaanlage abschalten müsse, da der Motor zu überhitzen drohte, waren wir mehr als froh, als wir morgens um 6 Uhr endlich in Salt Lake City einfuhren. Aussteigen, Gelenke entknoten und tiiiiief durchatmen. Das war ein Höllenritt! Wir hätten nie gedacht, dass wir solche Zustände in der sogenannten Weltmacht USA vorfinden würden. Ach, wie gerne haben wir uns an die Busse in Asien erinnert, wo wir sogar Ledersitze mit Massagefunktion und eigenem TV hatten. Trotz all dieser Umstände war doch die Landschaft äusserst reizvoll und es ergaben sich ein paar interessante Gespräche mit Amerikanern.

Mit dem neuen Mietauto fuhren wir von Salt Lake City direkt hoch nach Wyoming, in den grossartigen und vielfältigen Yellowstone Nationalpark. Tiere und Geysire (hier befinden sich die Hälfte aller Geysire weltweit) kommen hier ganz gross raus. Bei sommerlichen Temperaturen durchquerten wir in 2 Tagen die bunten geothermischen Gebiete, in denen es überall blubbert, zischt und dampft. Tiefe Canyons mit Wasserfällen und weite Ebenen mit Büffelherden runden dieses Bild von einer nahezu perfekten Natur ab.

Wir verliessen den Nationalpark durch das Land der Schoschonen-Indianer (dies ist keine Erfindung von Bully, diesen Stamm gibt es wirklich) und schlugen unser Tipi bei den Cowboys auf. In Buffalo Bill’s Heimatstadt Cody besuchten wir ein Rodeo. Das gehört quasi zum Pflichtprogramm, wenn man schon mal in der selbsternannten Hauptstadt des Rodeo’s weilt. Ein 2-stündiges, superinteressantes Cowboy-Spektakel mit Pferde- und Bullenreiten, Lasso werfen und Kälber einfangen … das ist Amerika pur – howdy hoo!

Da uns dieser Lifestyle so gut gefällt, werden wir auch die nächsten 2 Wochen in der Gegend der Cowboys und Indianer verbringen. Allerdings zieht es uns südwärts, in die Wüsten-Region rund um Arizona.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Celebrations ...

… unter diesem Motto – könnte man sagen - haben wir die letzten 10 Tage verbracht. Eine Feier jagte die nächste. Gut, okay, das Ausscheiden unserer Fussball-Nati ausgenommen. Doch das war’s dann auch schon mit Downlights und Dämpfern.

Im beschaulichen Penticton, welches ca. 400 km östlich von Vancouver in der Weinregion des Okanagan Valley liegt, tanzte der Bär … äh Elvis. Wir hatten nämlich saumässiges Glück, dass wir genau an jenem Wochenende dort waren, an welchem in dieser Kleinstadt das grösste Elvis-Imitatoren-Open-Air-Festival stattfand. Nebst Elvis Doubles in Hülle und Fülle cruisten auch unzählige Oldtimer aus den guten alten Fifties & Sixties durch die Strassen. Das war super! Auch wir schwangen unsere Hüften zu den Welthits des „Kings“ und genossen die Zeit abseits des Touristenstroms mitten unter den Kanadiern.

Noch mit Elvis-Klängen in den Ohren, fuhren wir unsere letzte Etappe nach Vancouver. Hm … nach soviel schöner Natur und Wildlife mussten wir uns zuerst wieder in einer Millionen-Stadt zurechtfinden. In der Olympia Stadt haben wir uns die eine oder andere schöne Ecke angeschaut und zwischendurch blieb auch noch Zeit, um ein paar Matches der WM zu verfolgen. Olé España!!!

Genau richtig zum Canada Day (Nationalfeiertag am 1. Juli) haben wir mit der Fähre rüber nach Vancouver Island gesetzt, und sind in Victoria, der Hauptstadt von British Columbia, über Bord … äh, von Bord gegangen. Tätsch Bäng … wir fanden uns mitten unter Tausenden von rot-weiss gekleideten Kanadiern wieder. Wir feierten natürlich mit und sahen uns schöne Feuerwerk über dem Hafen an.

Schöne englische Kolonial-Architektur, maritimes Hafenflair und eine hippe Pubszene, das begeisterte uns in Victoria. Nach unseren tollen 3 Wochen in Kanada war dies ein würdiger Abschluss von diesem schönen Land.

Schiff ahoi hiess es dann wieder … diesmal überquerten wir die Grenze in die USA auf dem Seeweg. Schon die Einfahrt in den Hafen von Seattle machte uns „gluschtig“ auf die kommenden 4 Tage in dieser Metropole. Was gibt’s über Seattle zu erzählen? Als Heimat von Starbucks, Microsoft, Boeing und Amazon gilt sie als eine der innovativsten und wirtschaftlichsten Städte der USA. Von hier aus entstanden milliardenschwere Imperien. Im Stadtteil Belltown, die Wiege der Grunge-Musikszene, haben wir uns in einem trendigen Hostel eingerichtet. Hier ist sowieso alles auf Kunst, Mode und Musik ausgerichtet. Sowieso, man spürt und sieht überall den kreativen Groove der Stadt und das Erbe von Cobain & Hendrix ist immer präsent.

Mit der Kamera unter dem Arm zogen wir durch die verschiedenen Viertel von Seattle. Wir schlenderten durch den bekannten und äusserst geschäftigen Pike-Market, assen Fish & Chips in der Fishermen’s Wharf und der obligatorische Besuch auf der Space-Needle inklusive. Ein Wahnsinns-Ausblick auf eine Wahnsinns-Stadt. Das Aus“flügli“ zu den grössten „Flügli“ in den Boeing-Werken war sehr eindrücklich und spannend, vor allem für Remo.

So, nach so viel „Schauerei“ gab’s dann mal wieder „Knallerei“: Zuerst liessen wir zwei die Korken knallen und feierten am 3. Juli unser 1-year-away-from-home-Jubiläum. Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht. Wir sind dankbar, dass wir in diesen 365 Tagen so viele so tolle Erlebnisse machen durften.

4. Juli – Independence Day: Unerwartet bescheiden wurde der Nationalfeiertag der USA in Seattle zelebriert, lediglich am Abend gab es ein würdiges, grosses Feuerwerk über der Stadt.

Soli, Seattle ist passé … uns hat’s super gut gefallen! Wir treten mal wieder eine Busreise an, diesmal nur läppische 20 Stunden :-) Ziel: Salt Lake City und umliegende Nationalparks.

PS: Für die Statistiker unter euch: Es gibt 93 Starbucks-Coffeshops in Seattle.